Städtische Renaturierungsprojekte in Barcelona I

Durch die Entsiegelung städtischer Flächen schafft Barcelona mehr Grün und gibt den Fußgängern Vorrang

Neugestaltung der Avinguda Meridiana, © Antonio Navarro Wijkmark

Barcelona, ein Labor für Städtebau und Landschaftsgestaltung mit langer Tradition

Barcelona wird weltweit für seine Architektur geschätzt, ist aber ebenso für wegweisende städtebauliche und landschaftsplanerische Konzepte bekannt, die die Stadt seit Mitte des 19. Jahrhunderts prägen. Sie zeugen von einer kontinuierlichen Suche nach Verbesserung, Erneuerung und bisweilen sogar nach einer Neuerfindung des Stadtmodells.

Tatsächlich war der erste Versuch, die Natur als zentralen Bestandteil der Stadt einzubinden, das Eixample von Ildefons Cerdà (1859). Der ursprüngliche Plan des berühmten Ingenieurs sah vor, Barcelona in eine Gartenstadt zu verwandeln – eine Vision, die jedoch durch wirtschaftliche und politische Interessen, die über technischen und theoretischen Kriterien standen, vereitelt wurde.

Erst mit der Anlage des Parc de la Ciutadella (1881) erhielt die Stadt ihren ersten großen öffentlichen Park. Josep Fontserés Entwurf wurde zwar nicht vollständig umgesetzt, doch sein Bestreben, den Park harmonisch ins städtische Gefüge Barcelonas einzubetten, bleibt bemerkenswert.

Parc de la Ciutadella, © Jorge Franganillo, unter Lizenz CC BY 2.0

Barcelonas Landschaftsplanung zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren reich an landschaftsplanerischen Entwürfen. Allen voran ist der Parc Güell (1914) von Antoni Gaudí zu nennen: Ursprünglich als Wohnanlage konzipiert und gescheitert, entwickelte er sich zu einem wegweisenden Referenzprojekt – dank der ungewöhnlichen Verschmelzung von Architektur und Natur, in der die Fußgängerviadukte mit ihren organisch-felsartigen Formen besonders hervorstechen.

Diese frühe Phase findet ihren Abschluss in den zahlreichen Projekten des französischen Landschaftsarchitekten Jean-Claude Nicolas Forestier, die er in Zusammenarbeit mit Nicolau Rubió i Tudurí in Barcelona realisierte. Forestiers Beitrag zeichnet sich durch eine gesamtstädtische, integrative Sichtweise, eine sensible Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ort sowie die Einführung neuer Pflanzenarten aus – stets unter Wahrung des mediterranen Charakters. Zu seinen gelungensten Gartenanlagen zählen die Gärten von Miramar (1923) und Laribal (1924), beide auf dem Montjuïc.

Jardins de Miramar, © Jorge Franganillo, unter Lizenz CC BY 3.0

Barcelonas Weg zur Renaturierung

Nach einer Periode, in der versiegelte Plätze vorherrschten, hat sich das Leitbild in den letzten Jahrzehnten wieder zugunsten von Grünflächen verschoben. Diese Entwicklung wurde durch die Einführung von Prinzipien wie Nachhaltigkeit, Renaturierung und nachhaltigen städtischen Entwässerungssystemen (SuDS) zusätzlich gefestigt.

Der Begriff der Renaturierung bezeichnet einen strukturellen Transformationsansatz, der auf die Wiederherstellung von Ökosystemen abzielt und sich dabei nicht auf die bloße Erweiterung von Grünflächen beschränkt, sondern auch Aspekte wie Wassermanagement, Biodiversität und soziale Teilhabe umfasst. Darüber hinaus ist sein Wirkungsbereich nicht auf städtische Räume begrenzt, sondern erstreckt sich auf die territoriale Ebene, wie das Beispiel des Parque Fluvial del Besós (2004) von Bernardo de Solá zeigt.

Die SuDS wiederum umfassen ein Bündel von Strategien zur Regeneration des natürlichen Wasserkreislaufs, der in städtischen Räumen typischerweise gestört ist. Dazu gehören wasserdurchlässige Beläge, Filter- und Regenwassersammelsysteme, Rückhaltebecken, Gründächer und Regen- bzw. Schwammgärten.

Diese neuen Ansätze zeigen sich in Projekten wie den Superblocks und Grünen Achsen sowie in der Verabschiedung des Plan Natura Barcelona 2021-2030. Der Plan legt die Leitlinien der Stadt für urbane Natur und Biodiversität in den kommenden Jahren fest. Sein zentrales Ziel ist die Festigung des Konzepts grüner Infrastruktur durch die Schaffung neuer Parks, die Verbesserung der Vernetzung bestehender Anlagen sowie die Gewährleistung ihrer Zugänglichkeit und Anpassungsfähigkeit.

Dabei werden Faktoren wie ökologische Konnektivität, städtische und bürgerliche Gesundheit, der Wasserkreislauf und der Klimawandel berücksichtigt.

Grünachse Consell de Cent, © Claudia García Maurino

Barcelonas Verkehrsachsen im Wandel

Zu den einschneidendsten städtebaulichen Veränderungen Barcelonas der letzten Jahrzehnte zählt die Umwandlung von Verkehrsachsen in Fußgängerbereiche. Diese Neuerfindung des städtischen Straßenraums spiegelt ein neues Leitbild wider, das einen klaren Prioritätenwechsel in der Planung und Organisation der Stadt verdeutlicht.

Die großen Projekte, die in diesem Rahmen umgesetzt werden, haben das Ziel, den Bürger – insbesondere den Fußgänger – in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig Nachhaltigkeit als ergänzenden Aspekt zu berücksichtigen.

Was bei diesem Ansatz zuerst ins Auge fällt, sind die Grünachsen: Renaturierungsprojekte ganzer Straßenzüge, die ein vernetztes System linearer Parks schaffen. Daneben existieren jedoch auch andere – teils noch ältere – Projekte, bei denen zuvor dem motorisierten Verkehr vorbehaltene Stadtbereiche auf überraschende Weise umgestaltet wurden. Ein Beispiel dafür sind einige Abschnitte der Ronda de Dalt, die teilweise oder vollständig in Fußgängerzonen, Plätze und sogar öffentliche Gebäude umgewandelt wurden.

Neugestaltung der Avinguda Meridiana, © Antonio Navarro Wijkmark

Jardines de Rambla de Sants (2017) von Sergi Godia und Ana Molino

Ein besonders ehrgeiziges Beispiel sind die Jardines de la Rambla de Sants (2017) von Sergi Godia und Ana Molino. Das Projekt ist komplexer als vergleichbare Vorhaben, da die erforderliche Infrastruktur besondere Anforderungen stellte.

Das Ziel dieses Eingriffs war die Überdeckelung einer stark frequentierten Bahntrasse, um deren trennende Wirkung im Stadtgefüge aufzuheben. Zu diesem Zweck wurde eine brückenartige Konstruktion aus mächtigen Betonbindern errichtet, die durch verglaste Elemente geschlossen und von einem erhöhten Park gekrönt ist, der die Grünflächen erweitert und das lokale Ökosystem stärkt.

Die begrünte Fläche variiert in der Breite, erstreckt sich über 720 Meter und ist mit einer vielfältigen Auswahl an Bäumen und Pflanzen bepflanzt, überwiegend heimischer Arten. Ein System aus Rampen, Treppen und Aufzügen verbessert die Anbindung des Stadtgefüges auf beiden Seiten der Bahntrasse.

Neugestaltung der Avinguda Meridiana, © Antonio Navarro Wijkmark

Paseo de la Meridiana (2019) von Battleiroig Arquitectura

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel, das sich nicht vollständig in das Konzept der Grünen Achsen einfügt, ist die Neugestaltung der Avinguda Meridiana. Bis vor Kurzem wirkte dieser Raum wie eine städtische Schnellstraße – mit unzähligen Fahrspuren und völliger Priorität für den Autoverkehr – und galt als eine der unwirtlichsten städtischen Landschaften Barcelonas.

In den letzten Jahren hat sich dies jedoch allmählich verändert, und obwohl die Bauarbeiten noch andauern, hat der Abschnitt, der an die Plaça de les Glòries grenzt und als Paseo de la Meridiana bezeichnet wird, bereits sein endgültiges Erscheinungsbild angenommen.

Das Projekt von Battleiroig Arquitectura meistert die durch die unterirdische Infrastruktur bedingten Einschränkungen und gibt den Großteil der Allee den Fußgängern zurück, ohne den motorisierten Verkehr vollständig zu unterbinden, der auf jeweils zwei Fahrspuren pro Richtung reduziert wird.

Die Koexistenz von Autos und Fußgängern erklärt, warum die Bepflanzung der Mittelpromenade auf die Randbereiche konzentriert ist, wo sie als Filter wirkt. Die überwiegend mit Betonplatten gestaltete Fußgängerzone wird von einer Kombination aus Stauden, Sträuchern und Bäumen gesäumt. Ein technisch ausgestattetes Untergeschoss ermöglicht die Sammlung von Regenwasser und dessen Nutzung für die Bewässerung.

Neugestaltung der Avinguda Meridiana, © Antonio Navarro Wijkmark

Grünachse Cristóbal Moura (2019) des städtischen Planungsamts

Zu den ersten vom Städtischen Planungsamt Barcelonas im Stadtviertel Poblenou realisierten Grünachsen zählt die Grünachse Cristóbal de Moura (2019). Bei diesem Pilotprojekt erstrecken sich die neuen Grünflächen über einen 26 Meter breiten Mittelstreifen, der von Gehwegen aus Betonplatten eingefasst wird.

Obwohl Radwege und eine Spur für den eingeschränkten Autoverkehr vorgesehen sind, steht der Fußgänger hier eindeutig im Mittelpunkt. Das Gestaltungskonzept setzt auf geschwungene Formen: mäandernde Wege, organisch geformte Teiche, kreisrunde Pflanzbecken und zylindrische Sitzelemente.

Sämtliche Bodenflächen sind wasserdurchlässig, um den natürlichen Wasserkreislauf wiederherzustellen, wobei Materialien wie Sand, Erde und Kieselsteine verwendet werden. Der Einsatz von SuDS erklärt nicht nur die Materialwahl, sondern auch die Topographie, die das Regenwasser zu den Rückhaltebecken leitet und gleichzeitig Aufenthaltsbereiche entstehen lässt.

Die mit Sträuchern, Ceibas, Jacarandas und Eschen bepflanzten Überflutungsbeete unterstützen den Prozess der Regenwassersammlung und -versickerung.

Grünachse Consell de Cent, © Marta Vidal

Grünachse Consell de Cent (2023) von Cierto Estudio + B67 Palomeras Arquitectos

Unter den bereits realisierten Grünachsen sticht die Grünachse Consell de Cent als eine der weitläufigsten hervor und entfaltet dadurch eine besonders starke städtebauliche, soziale und ökologische Wirkung. Ihr Entwurf stammt von Cierto Estudio und B67 Palomeras Arquitectos und orientiert sich an den Leitprinzipien Nachhaltigkeit und Integration.

Die Fahrbahn weicht einer durchgehenden Gehwegfläche, die nur von polygonalen Pflanzbecken unterbrochen wird. Deren Gestaltung und Anordnung schaffen kleine Plätze, die von den abgeschrägten Ecken der Eixample-Blöcke inspiriert sind. Das geradlinige Konzept fügt sich harmonisch in den städtischen Kontext ein und bildet einen deutlichen Kontrast zur Grünachse Cristóbal de Moura.

Aus praktischen Gründen wird der Fahrzeugverkehr nicht vollständig unterbunden, sondern auf Anwohner und Dienstfahrzeuge begrenzt. Die Vereinbarkeit kommerzieller Aktivitäten mit der sozialen Nutzung des öffentlichen Raums bleibt dabei eine zentrale Herausforderung.

Die Bodenbeläge bestehen aus drainagefähigen Oberflächen und wasserdurchlässigen Fugen, die die Sammlung und Versickerung von Regenwasser unterstützen. Neben den bestehenden Bäumen werden weitere gepflanzt und durch Stauden sowie Sträucher ergänzt, wodurch die Artenvielfalt erhöht wird – stets im Einklang mit dem mediterranen Ökosystem.

Das Stadtmobiliar orientiert sich an wiedererkennbaren, intuitiv bedienbaren Elementen – schließlich stehen die Nutzer im Mittelpunkt der Umgestaltung.

Grünachse Consell de Cent, © Marta Vidal

Natur, Mobilität und öffentlicher Raum – die Herausforderung einer ganzheitlichen Stadttransformation

Barcelonas öffentlicher Raum befindet sich in einem kontinuierlichen Erneuerungsprozess, der einem neuen städtebaulichen Leitbild folgt, das auf Natur und Menschen ausgerichtet ist und die Stadt als Ökosystem begreift. Ein ganzheitlicher Ansatz ist dabei entscheidend: Werden mehr Grünflächen und Fußgängerbereiche geschaffen, muss der öffentliche Nahverkehr den Rückgang der dem Privatverkehr vorbehaltenen Flächen ausgleichen.

Dazu zählen selbstverständlich die städtischen Fahrradangebote sowie das Bus- und Bahnnetz im gesamten metropolitanen Einzugsbereich. Damit stoßen wir jedoch auf ein nach wie vor ungelöstes Problem: das Nahverkehrsschienenetz. Es bleibt zu hoffen, dass die jüngste Krise endlich wichtige Veränderungen in diesem Bereich anstößt, auch wenn kurzfristig keine vollständige Lösung zu erwarten ist.

Diese Situation sollte uns jedoch keinesfalls dazu verleiten, die von der Stadt verfolgten Renaturierungsziele infrage zu stellen, die für die zukünftige urbane Nachhaltigkeit Barcelonas von zentraler Bedeutung sind. Entscheidend ist, urbane Ökosysteme ganzheitlich zu gestalten und sicherzustellen, dass die Projekte nicht auf isolierte Einzelmaßnahmen beschränkt bleiben.

Ebenso wichtig ist, dass die ergriffenen Maßnahmen flexibel und anpassungsfähig gestaltet werden – dies steigert ihre langfristigen Erfolgsaussichten und kommt letztlich den Bürgern zugute. In einem zweiten Teil dieses Blogbeitrags werden wir das Thema vertiefen und weitere Projekte vorstellen.

Text: Pedro Capriata

BIBLIOGRAFIE

Ajuntament de Barcelona (2021). Guia Tècnica per al disseny de sistemas de drenatge urbà sostenible.
https://share.google/rXwfQ6CXfzm6a8rq5

Ajuntament de Barcelona (2021). Pla Natura Barcelona 2021-2030.
https://share.google/BjbNIzFKnAlB5zkk5

Batlleiroig Arquitectura (s.f.).
https://www.batlleiroig.com/

Batlleiroig (2022). Fusionando Ciudad y Naturaleza. Actar.

Capriata, P. (2023) Las Supermanzanas y los ejes verdes de Barcelona, un modelo de ciudad más sostenible. Guiding Architects Barcelona.
https://www.gabarcelona.com/es/blog/supermanzanas/

Centre Obert d’Arquitectura (s.f.) ArquitecturaCatalana.Cat.
https://www.arquitecturacatalana.cat/es

Cierto Estudio (s.f.) Superilles – Eixos Verds.
https://ciertoestudio.com/Superilles-Eixos-Verds

Gehl, J. (2006). La humanización del espacio urbano. Editorial Reverté.

Gkoltsioufla, K. (2022). Reconnecting with nature: Landscape Architecture and Nature based solutions. IFLA Europe.
https://share.google/VxDlexqhnITBmJQE3

Jacobs, J. (2011). Muerte y vida de las grandes ciudades. Capitán Swing Libros.

Pujalte, S. (2021). Plan Natura Barcelona, hacia un 2030 más verde. Spanish-architects.com.
https://spanish-architects.com/es/architecture-news/destacados/plan-natura-barcelona-hacia-un-2030-mas-verde

Rueda, S. (2017) Ecosystemic urbanism: a way to make cities more sustainable. Barcelona Metròpolis, Num 102.
https://www.barcelona.cat/metropolis/sites/default/files/revistes/bm102baixa.pdf

Published On: März 23, 2026Categories: blog
Free Tours and Debates: Our Program for a Landmark Year in Architecture

Städtische Renaturierungsprojekte in Barcelona I

Durch die Entsiegelung städtischer Flächen schafft Barcelona mehr Grün und gibt den Fußgängern Vorrang

Neugestaltung der Avinguda Meridiana, © Antonio Navarro Wijkmark

Barcelona, ein Labor für Städtebau und Landschaftsgestaltung mit langer Tradition

Barcelona wird weltweit für seine Architektur geschätzt, ist aber ebenso für wegweisende städtebauliche und landschaftsplanerische Konzepte bekannt, die die Stadt seit Mitte des 19. Jahrhunderts prägen. Sie zeugen von einer kontinuierlichen Suche nach Verbesserung, Erneuerung und bisweilen sogar nach einer Neuerfindung des Stadtmodells.

Tatsächlich war der erste Versuch, die Natur als zentralen Bestandteil der Stadt einzubinden, das Eixample von Ildefons Cerdà (1859). Der ursprüngliche Plan des berühmten Ingenieurs sah vor, Barcelona in eine Gartenstadt zu verwandeln – eine Vision, die jedoch durch wirtschaftliche und politische Interessen, die über technischen und theoretischen Kriterien standen, vereitelt wurde.

Erst mit der Anlage des Parc de la Ciutadella (1881) erhielt die Stadt ihren ersten großen öffentlichen Park. Josep Fontserés Entwurf wurde zwar nicht vollständig umgesetzt, doch sein Bestreben, den Park harmonisch ins städtische Gefüge Barcelonas einzubetten, bleibt bemerkenswert.

Parc de la Ciutadella, © Jorge Franganillo, unter Lizenz CC BY 2.0

Barcelonas Landschaftsplanung zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren reich an landschaftsplanerischen Entwürfen. Allen voran ist der Parc Güell (1914) von Antoni Gaudí zu nennen: Ursprünglich als Wohnanlage konzipiert und gescheitert, entwickelte er sich zu einem wegweisenden Referenzprojekt – dank der ungewöhnlichen Verschmelzung von Architektur und Natur, in der die Fußgängerviadukte mit ihren organisch-felsartigen Formen besonders hervorstechen.

Diese frühe Phase findet ihren Abschluss in den zahlreichen Projekten des französischen Landschaftsarchitekten Jean-Claude Nicolas Forestier, die er in Zusammenarbeit mit Nicolau Rubió i Tudurí in Barcelona realisierte. Forestiers Beitrag zeichnet sich durch eine gesamtstädtische, integrative Sichtweise, eine sensible Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ort sowie die Einführung neuer Pflanzenarten aus – stets unter Wahrung des mediterranen Charakters. Zu seinen gelungensten Gartenanlagen zählen die Gärten von Miramar (1923) und Laribal (1924), beide auf dem Montjuïc.

Jardins de Miramar, © Jorge Franganillo, unter Lizenz CC BY 3.0

Barcelonas Weg zur Renaturierung

Nach einer Periode, in der versiegelte Plätze vorherrschten, hat sich das Leitbild in den letzten Jahrzehnten wieder zugunsten von Grünflächen verschoben. Diese Entwicklung wurde durch die Einführung von Prinzipien wie Nachhaltigkeit, Renaturierung und nachhaltigen städtischen Entwässerungssystemen (SuDS) zusätzlich gefestigt.

Der Begriff der Renaturierung bezeichnet einen strukturellen Transformationsansatz, der auf die Wiederherstellung von Ökosystemen abzielt und sich dabei nicht auf die bloße Erweiterung von Grünflächen beschränkt, sondern auch Aspekte wie Wassermanagement, Biodiversität und soziale Teilhabe umfasst. Darüber hinaus ist sein Wirkungsbereich nicht auf städtische Räume begrenzt, sondern erstreckt sich auf die territoriale Ebene, wie das Beispiel des Parque Fluvial del Besós (2004) von Bernardo de Solá zeigt.

Die SuDS wiederum umfassen ein Bündel von Strategien zur Regeneration des natürlichen Wasserkreislaufs, der in städtischen Räumen typischerweise gestört ist. Dazu gehören wasserdurchlässige Beläge, Filter- und Regenwassersammelsysteme, Rückhaltebecken, Gründächer und Regen- bzw. Schwammgärten.

Diese neuen Ansätze zeigen sich in Projekten wie den Superblocks und Grünen Achsen sowie in der Verabschiedung des Plan Natura Barcelona 2021-2030. Der Plan legt die Leitlinien der Stadt für urbane Natur und Biodiversität in den kommenden Jahren fest. Sein zentrales Ziel ist die Festigung des Konzepts grüner Infrastruktur durch die Schaffung neuer Parks, die Verbesserung der Vernetzung bestehender Anlagen sowie die Gewährleistung ihrer Zugänglichkeit und Anpassungsfähigkeit.

Dabei werden Faktoren wie ökologische Konnektivität, städtische und bürgerliche Gesundheit, der Wasserkreislauf und der Klimawandel berücksichtigt.

Grünachse Consell de Cent, © Claudia García Maurino

Barcelonas Verkehrsachsen im Wandel

Zu den einschneidendsten städtebaulichen Veränderungen Barcelonas der letzten Jahrzehnte zählt die Umwandlung von Verkehrsachsen in Fußgängerbereiche. Diese Neuerfindung des städtischen Straßenraums spiegelt ein neues Leitbild wider, das einen klaren Prioritätenwechsel in der Planung und Organisation der Stadt verdeutlicht.

Die großen Projekte, die in diesem Rahmen umgesetzt werden, haben das Ziel, den Bürger – insbesondere den Fußgänger – in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig Nachhaltigkeit als ergänzenden Aspekt zu berücksichtigen.

Was bei diesem Ansatz zuerst ins Auge fällt, sind die Grünachsen: Renaturierungsprojekte ganzer Straßenzüge, die ein vernetztes System linearer Parks schaffen. Daneben existieren jedoch auch andere – teils noch ältere – Projekte, bei denen zuvor dem motorisierten Verkehr vorbehaltene Stadtbereiche auf überraschende Weise umgestaltet wurden. Ein Beispiel dafür sind einige Abschnitte der Ronda de Dalt, die teilweise oder vollständig in Fußgängerzonen, Plätze und sogar öffentliche Gebäude umgewandelt wurden.

Neugestaltung der Avinguda Meridiana, © Antonio Navarro Wijkmark

Jardines de Rambla de Sants (2017) von Sergi Godia und Ana Molino

Ein besonders ehrgeiziges Beispiel sind die Jardines de la Rambla de Sants (2017) von Sergi Godia und Ana Molino. Das Projekt ist komplexer als vergleichbare Vorhaben, da die erforderliche Infrastruktur besondere Anforderungen stellte.

Das Ziel dieses Eingriffs war die Überdeckelung einer stark frequentierten Bahntrasse, um deren trennende Wirkung im Stadtgefüge aufzuheben. Zu diesem Zweck wurde eine brückenartige Konstruktion aus mächtigen Betonbindern errichtet, die durch verglaste Elemente geschlossen und von einem erhöhten Park gekrönt ist, der die Grünflächen erweitert und das lokale Ökosystem stärkt.

Die begrünte Fläche variiert in der Breite, erstreckt sich über 720 Meter und ist mit einer vielfältigen Auswahl an Bäumen und Pflanzen bepflanzt, überwiegend heimischer Arten. Ein System aus Rampen, Treppen und Aufzügen verbessert die Anbindung des Stadtgefüges auf beiden Seiten der Bahntrasse.

Neugestaltung der Avinguda Meridiana, © Antonio Navarro Wijkmark

Paseo de la Meridiana (2019) von Battleiroig Arquitectura

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel, das sich nicht vollständig in das Konzept der Grünen Achsen einfügt, ist die Neugestaltung der Avinguda Meridiana. Bis vor Kurzem wirkte dieser Raum wie eine städtische Schnellstraße – mit unzähligen Fahrspuren und völliger Priorität für den Autoverkehr – und galt als eine der unwirtlichsten städtischen Landschaften Barcelonas.

In den letzten Jahren hat sich dies jedoch allmählich verändert, und obwohl die Bauarbeiten noch andauern, hat der Abschnitt, der an die Plaça de les Glòries grenzt und als Paseo de la Meridiana bezeichnet wird, bereits sein endgültiges Erscheinungsbild angenommen.

Das Projekt von Battleiroig Arquitectura meistert die durch die unterirdische Infrastruktur bedingten Einschränkungen und gibt den Großteil der Allee den Fußgängern zurück, ohne den motorisierten Verkehr vollständig zu unterbinden, der auf jeweils zwei Fahrspuren pro Richtung reduziert wird.

Die Koexistenz von Autos und Fußgängern erklärt, warum die Bepflanzung der Mittelpromenade auf die Randbereiche konzentriert ist, wo sie als Filter wirkt. Die überwiegend mit Betonplatten gestaltete Fußgängerzone wird von einer Kombination aus Stauden, Sträuchern und Bäumen gesäumt. Ein technisch ausgestattetes Untergeschoss ermöglicht die Sammlung von Regenwasser und dessen Nutzung für die Bewässerung.

Neugestaltung der Avinguda Meridiana, © Antonio Navarro Wijkmark

Grünachse Cristóbal Moura (2019) des städtischen Planungsamts

Zu den ersten vom Städtischen Planungsamt Barcelonas im Stadtviertel Poblenou realisierten Grünachsen zählt die Grünachse Cristóbal de Moura (2019). Bei diesem Pilotprojekt erstrecken sich die neuen Grünflächen über einen 26 Meter breiten Mittelstreifen, der von Gehwegen aus Betonplatten eingefasst wird.

Obwohl Radwege und eine Spur für den eingeschränkten Autoverkehr vorgesehen sind, steht der Fußgänger hier eindeutig im Mittelpunkt. Das Gestaltungskonzept setzt auf geschwungene Formen: mäandernde Wege, organisch geformte Teiche, kreisrunde Pflanzbecken und zylindrische Sitzelemente.

Sämtliche Bodenflächen sind wasserdurchlässig, um den natürlichen Wasserkreislauf wiederherzustellen, wobei Materialien wie Sand, Erde und Kieselsteine verwendet werden. Der Einsatz von SuDS erklärt nicht nur die Materialwahl, sondern auch die Topographie, die das Regenwasser zu den Rückhaltebecken leitet und gleichzeitig Aufenthaltsbereiche entstehen lässt.

Die mit Sträuchern, Ceibas, Jacarandas und Eschen bepflanzten Überflutungsbeete unterstützen den Prozess der Regenwassersammlung und -versickerung.

Grünachse Consell de Cent, © Marta Vidal

Grünachse Consell de Cent (2023) von Cierto Estudio + B67 Palomeras Arquitectos

Unter den bereits realisierten Grünachsen sticht die Grünachse Consell de Cent als eine der weitläufigsten hervor und entfaltet dadurch eine besonders starke städtebauliche, soziale und ökologische Wirkung. Ihr Entwurf stammt von Cierto Estudio und B67 Palomeras Arquitectos und orientiert sich an den Leitprinzipien Nachhaltigkeit und Integration.

Die Fahrbahn weicht einer durchgehenden Gehwegfläche, die nur von polygonalen Pflanzbecken unterbrochen wird. Deren Gestaltung und Anordnung schaffen kleine Plätze, die von den abgeschrägten Ecken der Eixample-Blöcke inspiriert sind. Das geradlinige Konzept fügt sich harmonisch in den städtischen Kontext ein und bildet einen deutlichen Kontrast zur Grünachse Cristóbal de Moura.

Aus praktischen Gründen wird der Fahrzeugverkehr nicht vollständig unterbunden, sondern auf Anwohner und Dienstfahrzeuge begrenzt. Die Vereinbarkeit kommerzieller Aktivitäten mit der sozialen Nutzung des öffentlichen Raums bleibt dabei eine zentrale Herausforderung.

Die Bodenbeläge bestehen aus drainagefähigen Oberflächen und wasserdurchlässigen Fugen, die die Sammlung und Versickerung von Regenwasser unterstützen. Neben den bestehenden Bäumen werden weitere gepflanzt und durch Stauden sowie Sträucher ergänzt, wodurch die Artenvielfalt erhöht wird – stets im Einklang mit dem mediterranen Ökosystem.

Das Stadtmobiliar orientiert sich an wiedererkennbaren, intuitiv bedienbaren Elementen – schließlich stehen die Nutzer im Mittelpunkt der Umgestaltung.

Grünachse Consell de Cent, © Marta Vidal

Natur, Mobilität und öffentlicher Raum – die Herausforderung einer ganzheitlichen Stadttransformation

Barcelonas öffentlicher Raum befindet sich in einem kontinuierlichen Erneuerungsprozess, der einem neuen städtebaulichen Leitbild folgt, das auf Natur und Menschen ausgerichtet ist und die Stadt als Ökosystem begreift. Ein ganzheitlicher Ansatz ist dabei entscheidend: Werden mehr Grünflächen und Fußgängerbereiche geschaffen, muss der öffentliche Nahverkehr den Rückgang der dem Privatverkehr vorbehaltenen Flächen ausgleichen.

Dazu zählen selbstverständlich die städtischen Fahrradangebote sowie das Bus- und Bahnnetz im gesamten metropolitanen Einzugsbereich. Damit stoßen wir jedoch auf ein nach wie vor ungelöstes Problem: das Nahverkehrsschienenetz. Es bleibt zu hoffen, dass die jüngste Krise endlich wichtige Veränderungen in diesem Bereich anstößt, auch wenn kurzfristig keine vollständige Lösung zu erwarten ist.

Diese Situation sollte uns jedoch keinesfalls dazu verleiten, die von der Stadt verfolgten Renaturierungsziele infrage zu stellen, die für die zukünftige urbane Nachhaltigkeit Barcelonas von zentraler Bedeutung sind. Entscheidend ist, urbane Ökosysteme ganzheitlich zu gestalten und sicherzustellen, dass die Projekte nicht auf isolierte Einzelmaßnahmen beschränkt bleiben.

Ebenso wichtig ist, dass die ergriffenen Maßnahmen flexibel und anpassungsfähig gestaltet werden – dies steigert ihre langfristigen Erfolgsaussichten und kommt letztlich den Bürgern zugute. In einem zweiten Teil dieses Blogbeitrags werden wir das Thema vertiefen und weitere Projekte vorstellen.

Text: Pedro Capriata

BIBLIOGRAFIE

Ajuntament de Barcelona (2021). Guia Tècnica per al disseny de sistemas de drenatge urbà sostenible.
https://share.google/rXwfQ6CXfzm6a8rq5

Ajuntament de Barcelona (2021). Pla Natura Barcelona 2021-2030.
https://share.google/BjbNIzFKnAlB5zkk5

Batlleiroig Arquitectura (s.f.).
https://www.batlleiroig.com/

Batlleiroig (2022). Fusionando Ciudad y Naturaleza. Actar.

Capriata, P. (2023) Las Supermanzanas y los ejes verdes de Barcelona, un modelo de ciudad más sostenible. Guiding Architects Barcelona.
https://www.gabarcelona.com/es/blog/supermanzanas/

Centre Obert d’Arquitectura (s.f.) ArquitecturaCatalana.Cat.
https://www.arquitecturacatalana.cat/es

Cierto Estudio (s.f.) Superilles – Eixos Verds.
https://ciertoestudio.com/Superilles-Eixos-Verds

Gehl, J. (2006). La humanización del espacio urbano. Editorial Reverté.

Gkoltsioufla, K. (2022). Reconnecting with nature: Landscape Architecture and Nature based solutions. IFLA Europe.
https://share.google/VxDlexqhnITBmJQE3

Jacobs, J. (2011). Muerte y vida de las grandes ciudades. Capitán Swing Libros.

Pujalte, S. (2021). Plan Natura Barcelona, hacia un 2030 más verde. Spanish-architects.com.
https://spanish-architects.com/es/architecture-news/destacados/plan-natura-barcelona-hacia-un-2030-mas-verde

Rueda, S. (2017) Ecosystemic urbanism: a way to make cities more sustainable. Barcelona Metròpolis, Num 102.
https://www.barcelona.cat/metropolis/sites/default/files/revistes/bm102baixa.pdf

Published On: März 23, 2026Categories: blog
Free Tours and Debates: Our Program for a Landmark Year in Architecture

Related Posts