Das Eixample von Ildefons Cerdà

Das städtebauliche Projekt, das Barcelonas Identität prägte

Ursprungsfassung des Cerdà-Plans, Ildefons Cerdà i Sunyer – Museu d’Historia de la Ciutat

Die Entwicklung Barcelonas zwischen 1700 und 1850

Nachdem Barcelona im Mittelalter einen bedeutenden Wandel durchlaufen hatte, trat die Stadt in eine Phase scheinbarer Stabilität ein, in der sich Veränderungen nur sehr allmählich vollzogen. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzte erneut eine dynamischere Phase ein, die von zwei entscheidenden Wendepunkten geprägt war.

Der erste dieser Wendepunkte fiel in die Jahre nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714). Katalonien hatte sich mit den Habsburgern verbündet. Da Barcelona als letzte Stadt der Iberischen Halbinsel den Bourbonen unterlag, war die Stadt in besonderem Maße von den Repressionsmaßnahmen der neuen Dynastie betroffen.

Die Decretos de Nueva Planta (Neuordnungsdekrete) umfassten eine Reihe repressiver Maßnahmen, darunter die Verdrängung der katalanischen Sprache aus dem institutionellen Gebrauch sowie die Aufhebung politischer und bildungsbezogener Institutionen mit jahrhundertealter Tradition. Die sichtbarste Folge der Niederlage war jedoch der Bau der Ciutadella, einer Festungsanlage, die nicht dem Schutz der Stadt diente, sondern ihrer Kontrolle. Ihre Errichtung erforderte den Abriss von mehr als tausend Gebäuden, was zu einer tiefgreifenden Umgestaltung des Viertels La Ribera führte und bei der Bevölkerung ein schweres Trauma hinterließ.

Dennoch hatte diese ungünstige Situation langfristig eine durchaus positive Folge. Mit dem Vertrag von Utrecht, der den Krieg beendete, verlor das Spanische Imperium seine beiden bedeutenden Zentren der Textilproduktion: Flandern und Mailand. Katalonien steigerte daraufhin seine eigene Textilproduktion erheblich, um diesen Verlust auszugleichen. In den folgenden Jahrzehnten war die Textilproduktion eng mit der Industrialisierung Kataloniens verknüpft.

So entstanden in Barcelona ab Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend mechanisierte Textilfabriken. Die damit einhergehende Industrialisierung hatte weitreichende Folgen: Sie veränderte die Wirtschaftsstruktur, führte infolge der Binnenmigration zu einem deutlichen Bevölkerungszuwachs und verschlechterte die städtischen Lebensbedingungen rapide.

Im Zuge der durch die Decretos de Nueva Planta auferlegten Einschränkungen war es der Stadt untersagt, über die bestehenden Stadtmauern hinauszuwachsen. Die neu hinzugekommenen Einwohner mussten sich daher innerhalb des bestehenden Stadtgebiets drängen, wodurch die Bevölkerungsdichte weiter zunahm und sich zugleich die ohnehin prekären hygienischen Verhältnisse Barcelonas verschärften. Die Stadt füllte sich mit höheren, schlechter belüfteten und weniger gut belichteten Gebäuden, die zunehmend unterteilt und durch einen mittlerweile offensichtlich überholten Stadtgrundriss eingeschränkt wurden.

Stadtmauern und Zitadelle, Plan der Stadt und des Hafens von Barcelona, 1806

Die notwendige Erweiterung einer wachsenden Industriestadt

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Situation in Barcelona aufgrund des industriellen Wachstums, des demografischen Drucks und der unzureichenden hygienischen Bedingungen, die die Ausbreitung von Krankheiten begünstigten, untragbar geworden. Obwohl seit Jahren offensichtlich war, dass die Stadtmauern abgerissen und die Stadt erweitert werden mussten, fehlte es zunächst an den notwendigen politischen Voraussetzungen. Diese waren 1854 gegeben, als Madrid schließlich die Genehmigung erteilte. Die Zustimmung der Zentralregierung zum Abriss der Ciutadella – eine technische Notwendigkeit, vor allem aber eine Forderung der Bevölkerung – erfolgte hingegen erst 1868. Die Meinungsverschiedenheiten über den weiteren Weg zur Modernisierung der Stadt blieben jedoch bestehen.

1859 schrieb die Stadtverwaltung einen Wettbewerb zur Stadterweiterung aus, aus dem der Entwurf des Architekten Antoni Rovira i Trias als Sieger hervorging. Roviras Vorschlag war bemerkenswert und entsprach den vorherrschenden Tendenzen des bürgerlichen Städtebaus in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wie sie etwa in den Reformen des Barons Haussmann in Paris oder in der Ringstraße von Ludwig Förster in Wien zum Ausdruck kamen. Der Entwurf sah eine hierarchisch gegliederte Stadtstruktur vor, deren Mittelpunkt ein zentraler Platz am Rand der historischen Stadt bildete. Von dort aus sollte ein System konzentrischer Boulevards die Stadt mit den benachbarten Gemeinden verbinden.

Parallel dazu hatte der Ingenieur Ildefons Cerdà, der 1855 im Auftrag Madrids eine topografische Vermessung der Ebene von Barcelona durchgeführt hatte, einen eigenen Entwurf für die Erweiterung der Stadt ausgearbeitet. Die Zentralregierung zeigte sich von Cerdàs Plan beeindruckt und ordnete dessen Umsetzung an. Dies löste eine heftige Kontroverse aus, die zwar technische, vor allem aber politische Dimensionen hatte, da sich die Zentralregierung damit unmittelbar gegen die Stadtverwaltung stellte.

Siegerentwurf des städtischen Wettbewerbs von 1859, Antoni Rovira i Trias – Museu d’Historia de la Ciutat

Die Umsetzung des Cerdà-Plans

Unabhängig von den Kontroversen und den Vorzügen des Plans von Rovira i Trias beruhte Cerdàs Projekt auf einem umfassenderen Verständnis der Stadt. Die Stadt wurde dabei nicht lediglich als Ansammlung von Gebäuden verstanden, sondern als funktional zusammenhängendes System aus Wohnraum, Dienstleistungen, Verkehrswegen und öffentlichen Räumen. Darüber hinaus verfolgte der Plan einen stärker egalitären Ansatz und räumte hygienischen Aspekten größere Bedeutung ein. Demgegenüber war Roviras Vorschlag konservativer und für die private Immobilienentwicklung potenziell rentabler.

Diese Grundsätze fanden ihren Ausdruck in einem orthogonalen Straßenraster, das sich am Grundriss des römischen Barcino orientierte. Ob es sich dabei um einen Zufall handelte, lässt sich nicht eindeutig sagen. Fest steht jedoch, dass sowohl Cerdà als auch die Römer ihre Stadtplanung an der lokalen Geografie, den vorherrschenden Winden und dem Sonnenverlauf ausrichteten.

Das vorgeschlagene Raster war für die damalige Zeit von außergewöhnlicher Größe: Es erstreckte sich vom Montjuïc bis zum Fluss Besòs und vom Mittelmeer bis zur Serra de Collserola. Die vorgesehenen Straßen waren 20 m breit. Ergänzt wurde das Raster durch breitere Boulevards von übergeordneter städtebaulicher Bedeutung wie die Diagonal, die Gran Via und die Meridiana.

Genau diese drei Achsen liefen an der Plaça de les Glòries Catalanes zusammen, die Cerdà als neues administratives und symbolisches Zentrum der Stadt vorgesehen hatte. Aufgrund ihrer Entfernung zur bestehenden Stadt und des Mangels an geeigneten Verkehrsanbindungen geriet die geplante Platzanlage jedoch ins Abseits. Stattdessen setzte sich die Stadtverwaltung beharrlich für die Entwicklung der Plaça Catalunya ein – eines Verbindungsraums zwischen der alten und der neuen Stadt, der zu diesem Zeitpunkt noch unbebaut war und von den Bürgern spontan als Treffpunkt genutzt wurde.

Die Plaça Catalunya entsprach zudem dem von Rovira i Trias vorgeschlagenen zentralen Platz, war in Cerdàs Projekt jedoch nicht vorgesehen. Obwohl die Stadtverwaltung bereits 1862 auf die Entwicklung des Platzes gedrängt hatte, genehmigte die Zentralregierung dessen offizielle städtebauliche Gestaltung erst 1889.

Bauliche Verdichtung und Neudefinition des Eixample

Die grundlegende Einheit des Eixample bildete ein quadratischer Baublock mit einer Seitenlänge von 113 m. Seine vier Ecken waren auf einer Länge von jeweils 14 m abgeschrägt. Diese sogenannten Chaflanes sollten das Abbiegen erleichtern und den Verkehrsfluss verbessern. In einer vorläufigen Fassung des Projekts von 1855 wurden lediglich zwei Seiten des Blocks mit Gebäuden bebaut, die aus einem Erdgeschoss und drei Obergeschossen bestanden und eine Bautiefe von 15 bis 20 m aufwiesen. Der übrige Teil des Blocks blieb als Grün- oder Freifläche erhalten. Mit diesem Verhältnis von bebauter und unbebauter Fläche orientierte sich Cerdà eindeutig an den hygienistischen Idealen: Es gewährleistete eine ausreichende Versorgung aller Gebäude mit natürlichem Licht, Sonneneinstrahlung und Belüftung und nahm zugleich das Konzept der Gartenstadt vorweg, das Ebenezer Howard 1898 formulierte.

Diese ursprüngliche Konfiguration wurde jedoch rasch verändert. Bei der Überführung des Plans in eine Bauordnung hatte Cerdà die zulässige Bautiefe bereits auf zunächst einheitlich 20 m festgelegt; später wurde sie auf 28 m erweitert. 1862 erlaubte die Stadtverwaltung, drei Seiten des Blocks mit Gebäuden aus einem Erdgeschoss und vier Obergeschossen zu bebauen. 1891 wurde schließlich die Bebauung aller vier Seiten offiziell festgeschrieben und um ein weiteres Geschoss sowie die Bebauung des Blockinneren im Erdgeschoss erweitert.

Vom ursprünglichen Prototyp der Gartenstadt blieb wenig übrig. Dennoch bewies der Cerdà-Plan eine bemerkenswerte Beständigkeit: Viele seiner wesentlichen Elemente blieben trotz der normativen Veränderungen erhalten, die schließlich die Dichte und den Charakter des Eixample prägten und damit ein identitätsstiftendes Merkmal Barcelonas schufen.

Luftaufnahme des Eixample, © Florian Schmidt – Unsplash

Das Eixample und die Entfaltung des katalanischen Jugendstils (Modernisme)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Eixample dank seiner breiten Straßen und der weitgehend fehlenden historischen Bausubstanz zu einem idealen Schauplatz für die Entfaltung des Modernisme. Der neue Stil entstand als architektonischer Ausdruck der Renaixença, die die katalanische Identität gegenüber Spanien betonte. Zugleich wurde er zum Ausdruck eines wirtschaftlich aufstrebenden Bürgertums, dessen gesellschaftlicher Aufstieg eng mit Industrie und Handel verbunden war und das sich zunehmend mit der neuen Stadt identifizierte.

Modernistische Fassaden prägten zunehmend das Erscheinungsbild des Eixample und trugen dazu bei, Barcelona als moderne und kosmopolitische Stadt zu etablieren, die Teil der internationalen Strömung des sogenannten Art Nouveau war. Cerdàs Bestrebungen nach größerer Gleichheit wurden dadurch jedoch zunehmend abgeschwächt, da immer mehr luxuriöse Gebäude entstanden, die scheinbar miteinander um die Aufmerksamkeit der Betrachter wetteiferten.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel findet sich in der Manzana de la Discordia (Block der Zwietracht), wo einige der bedeutendsten Architekten ihrer Zeit bestehende Gebäude neu gestalteten. Puig i Cadafalch, Domènech i Montaner und Antoni Gaudí schufen hier drei ihrer herausragenden Werke: die Casa Amatller (1900), die Casa Lleó Morera (1905) und die Casa Batlló (1906). In unmittelbarer Nachbarschaft wird so das gesamte kreative Potenzial des Modernisme sichtbar – seine unterschiedlichen Ausprägungen ebenso wie seine Wechselwirkung mit dem städtischen Raum. Mit der eleganten neoklassizistischen Umgestaltung der Casa Mulleras (1911) ergänzte schließlich auch Enric Sagnier das architektonische Ensemble der Manzana de la Discordia.

Manzana de la Discordia (Block der Zwietracht), © Vicente Zambrano González – Ajuntament de Barcelona, unter Lizenz CC BY-NC-ND 4.0

Das Eixample im 20. Jahrhundert: Ausdehnung, Konsolidierung und Wandel

Im Zuge der Stadterweiterung gliederte Barcelona die umliegenden Gemeinden ein, sodass sich das Eixample teilweise mit den bereits bestehenden Stadtstrukturen überlagerte. Dadurch verlor das ursprünglich klar definierte orthogonale Raster einen Teil seiner Strenge, bewies jedoch zugleich erneut seine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Sehr deutlich zeigt sich dies im Stadtteil Poblenou, wo sich neben den bereits bestehenden Wegen und Straßen Fabriken und Produktionsstätten ansiedelten, deren Lage sich nicht am orthogonalen Raster orientierte. Der Bereich entlang der Straße Pere IV bildet dabei eine klare Anomalie; hier wird die Überlagerung unterschiedlicher Stadtstrukturen besonders sichtbar.

Tatsächlich bestand eines der Ziele des Plans Jaussely von 1907 darin, das Eixample mit den umliegenden Gemeinden Barcelonas in Einklang zu bringen. Obwohl der Plan nicht umgesetzt wurde, bedeutete sein städtebauliches Konzept zugleich eine Rückkehr zum Ideal einer monumentalen und hierarchisch gegliederten Stadt.

Aus ganz anderen Gründen wurde auch der Plan Macià von 1934 nicht umgesetzt. Er entstand unter Federführung der rationalistischen Architekten der GATPAC (Grup d’Arquitectes i Tècnics Catalans per al Progrés de l’Arquitectura Contemporània) und übernahm einige Elemente des Cerdà-Plans, die in eine funktionalistische Neuordnung integriert wurden.

In den Jahren vor den Olympischen Spielen 1992 rückte das Eixample erneut in den Mittelpunkt der städtebaulichen Debatte, als das Architekturbüro MBM Arquitectes den Cerdà-Plan als Referenz für seinen Entwurf der Vila Olímpica heranzog. Damit zeigte sich erneut die bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit des Cerdà-Plans, der sich auf unterschiedliche städtebauliche Kontexte übertragen und neu interpretieren ließ. Bohigas und seine Kollegen wandelten die Struktur eines verfallenden Industriegebiets in ein Wohnviertel um, dessen Grundriss auf einem orthogonalen Raster beruhte und begrünte Innenbereiche der Baublöcke vorsah. Der Erfolg des Projekts war maßgeblich mit der erneuten Anbindung Barcelonas an das Mittelmeer durch den Port Olímpic verbunden. Zugleich knüpfte der Entwurf an zentrale Ideen Cerdàs an und machte deren anhaltenden Einfluss noch mehr als ein Jahrhundert nach ihrer ursprünglichen Konzeption sichtbar.

Neuinterpretation und Anpassung des Eixample-Rasters in der Vila Olímpica, © Google Earth

Cerdàs Erbe in der Gegenwart

Die Aktualität des Erbes Cerdàs liegt weniger in der umfassenden Umsetzung seiner Ideen oder seines Entwurfs als in der bemerkenswerten Anpassungsfähigkeit seines Plans, der eine Vielzahl von Veränderungen und Weiterentwicklungen überdauert hat – darunter auch die erhebliche Verdichtung des Eixample. Ebenso bedeutsam ist seine Fähigkeit, einen einzigartigen Stadtraum zu schaffen, der durch seine Dimensionen und seinen regelmäßigen Grundriss, vor allem aber durch die Chaflanes geprägt ist, die zu identitätsstiftenden Elementen Barcelonas geworden sind.

Unabhängig davon, ob sie den Cerdà-Plan ausdrücklich zu ihren Referenzen zählen, greifen zeitgenössische Stadtplaner und Architekten bei der Planung neuer Projekte in Barcelona nach wie vor auf seine Prinzipien zurück. Tatsächlich lassen sich einige der interessantesten städtebaulichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte gewissermaßen als Neuinterpretationen des Eixample verstehen, darunter die Superblocks und die Grünen Achsen. Beide eng miteinander verbundenen Ansätze besitzen das Potenzial, auf andere Städte übertragen zu werden. Ihre Konzeption und Umsetzung sind jedoch eng mit den spezifischen Bedingungen Barcelonas und dem Cerdà-Raster verbunden. Beide Ansätze zielen darauf ab, die Breite der Straßen bestmöglich zu nutzen, insbesondere aber das Potenzial der Kreuzungsbereiche auszuschöpfen, wie die in einem aktuellen Artikel von Guiding Architects vorgestellten Projekte zur Renaturierung des Stadtraums veranschaulichen.

Plaça-jardí Rocafort von 08014 arquitectura, © Pol Viladoms

Ein weiteres Projekt, das an die Ideen Cerdàs anknüpft, ist der Parc de les Glòries (2025). Zwar weicht seine Gestaltung von dem öffentlichen und repräsentativen Charakter ab, den Cerdà für diesen Kreuzungsbereich vorgesehen hatte, doch entspricht sie seiner Vision einer grüneren Stadt mit großzügigen innerstädtischen Parkanlagen.

Schließlich darf auch der Innovationsbezirk 22@ nicht unerwähnt bleiben. Mit dem Ziel, ein verfallendes Industrieviertel zu regenerieren, verwandelt er Barcelonas Poblenou in einen gemischt genutzten Stadtteil mit zahlreichen Bürostandorten von Technologieunternehmen. Wie bereits erwähnt, entstand der Stadtgrundriss dieses Viertels durch die Überlagerung des Cerdà-Rasters mit dem bereits bestehenden Straßennetz. Die neuen städtebaulichen Maßnahmen greifen diese besondere Ausgangslage auf, indem sie die Bebauungsparameter anpassen, die Innenbereiche der Baublöcke neu gestalten, den Fußgängerbereich erweitern und insgesamt die Qualität des öffentlichen Raums verbessern.

Neue Grünachse Almogàvers-Zamora im 22@, Laura Guerrero – Ajuntament de Barcelona, unter Lizenz CC BY-NC-ND 4.0

Die Genialität von Ildefons Cerdà und seinem Eixample zeigt sich in einem städtebaulichen Modell, das sich im Laufe der Zeit an unterschiedlichste Rahmenbedingungen anpassen konnte, ohne seine strukturelle Logik und seinen charakteristischen Ausdruck zu verlieren. Bis heute prägt es die Arbeit zeitgenössischer Stadtplaner und Architekten.

Text: Pedro Capriata

LITERATURVERZEICHNIS

Bonet Correa, A. (2009). Barcelona moderna: Realidad y utopía del Plan Cerdà. Sociedad Estatal de Conmemoraciones Culturales.

Busquets, J. (2004). Barcelona. La construcción urbanística de una ciudad compacta. Ediciones del Serbal.

Centre Obert d’Arquitectura (s.f.). ArquitecturaCatalana.Cat
https://www.arquitecturacatalana.cat/es

Cerdà, I. (1991). Teoría de la construcción de las ciudades, vol. 1 y 2. Ministerio de Administraciones Públicas. (Obra original publicada en 1859 y 1861).

Cerdà, I. (1971). Teoría general de la urbanización y aplicación de sus principios y doctrinas a la reforma y ensanche de Barcelona. Instituto de Estudios Fiscales. (Obra original publicada en 1867).

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Gupo 2C (2009). La Barcelona de Cerdà. Flor del Viento.

Hughes, R. (2006). Barcelona. Anagrama.

López, M. Ed. (2010). Cerdà y Barcelona: La primera metrópoli, 1853-1897. Museu d’Història de Barcelona

Magrinyà, F. (2017). Cerdà: 150 años de modernidad. Actar

Magrinyà, F. (¿) Teoría Cerdà. Universitat Politècnica de Catalunya.

Permanyer, L. (2008). L’Eixample: 150 anys d’història. Ajuntament de Barcelona.

Rueda, S. (2020). Regenerando el Plan Cerdà: de la manzana de Cerdà a la supermanzana. Agbbar.

Solà-Morales, M. (2009). Deu Lliçons sobre Barcelona. Col·legi d’Arquitectes de Catalunya.

Solà-Morales, M. (2010). Cerdà: Ensanche. Universitat Politècnica de Catalunya.

Published On: September 16, 2026Categories: blog
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Das Eixample von Ildefons Cerdà

Das städtebauliche Projekt, das Barcelonas Identität prägte

Ursprungsfassung des Cerdà-Plans, Ildefons Cerdà i Sunyer – Museu d’Historia de la Ciutat

Die Entwicklung Barcelonas zwischen 1700 und 1850

Nachdem Barcelona im Mittelalter einen bedeutenden Wandel durchlaufen hatte, trat die Stadt in eine Phase scheinbarer Stabilität ein, in der sich Veränderungen nur sehr allmählich vollzogen. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzte erneut eine dynamischere Phase ein, die von zwei entscheidenden Wendepunkten geprägt war.

Der erste dieser Wendepunkte fiel in die Jahre nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714). Katalonien hatte sich mit den Habsburgern verbündet. Da Barcelona als letzte Stadt der Iberischen Halbinsel den Bourbonen unterlag, war die Stadt in besonderem Maße von den Repressionsmaßnahmen der neuen Dynastie betroffen.

Die Decretos de Nueva Planta (Neuordnungsdekrete) umfassten eine Reihe repressiver Maßnahmen, darunter die Verdrängung der katalanischen Sprache aus dem institutionellen Gebrauch sowie die Aufhebung politischer und bildungsbezogener Institutionen mit jahrhundertealter Tradition. Die sichtbarste Folge der Niederlage war jedoch der Bau der Ciutadella, einer Festungsanlage, die nicht dem Schutz der Stadt diente, sondern ihrer Kontrolle. Ihre Errichtung erforderte den Abriss von mehr als tausend Gebäuden, was zu einer tiefgreifenden Umgestaltung des Viertels La Ribera führte und bei der Bevölkerung ein schweres Trauma hinterließ.

Dennoch hatte diese ungünstige Situation langfristig eine durchaus positive Folge. Mit dem Vertrag von Utrecht, der den Krieg beendete, verlor das Spanische Imperium seine beiden bedeutenden Zentren der Textilproduktion: Flandern und Mailand. Katalonien steigerte daraufhin seine eigene Textilproduktion erheblich, um diesen Verlust auszugleichen. In den folgenden Jahrzehnten war die Textilproduktion eng mit der Industrialisierung Kataloniens verknüpft.

So entstanden in Barcelona ab Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend mechanisierte Textilfabriken. Die damit einhergehende Industrialisierung hatte weitreichende Folgen: Sie veränderte die Wirtschaftsstruktur, führte infolge der Binnenmigration zu einem deutlichen Bevölkerungszuwachs und verschlechterte die städtischen Lebensbedingungen rapide.

Im Zuge der durch die Decretos de Nueva Planta auferlegten Einschränkungen war es der Stadt untersagt, über die bestehenden Stadtmauern hinauszuwachsen. Die neu hinzugekommenen Einwohner mussten sich daher innerhalb des bestehenden Stadtgebiets drängen, wodurch die Bevölkerungsdichte weiter zunahm und sich zugleich die ohnehin prekären hygienischen Verhältnisse Barcelonas verschärften. Die Stadt füllte sich mit höheren, schlechter belüfteten und weniger gut belichteten Gebäuden, die zunehmend unterteilt und durch einen mittlerweile offensichtlich überholten Stadtgrundriss eingeschränkt wurden.

Stadtmauern und Zitadelle, Plan der Stadt und des Hafens von Barcelona, 1806

Die notwendige Erweiterung einer wachsenden Industriestadt

Mitte des 19. Jahrhunderts war die Situation in Barcelona aufgrund des industriellen Wachstums, des demografischen Drucks und der unzureichenden hygienischen Bedingungen, die die Ausbreitung von Krankheiten begünstigten, untragbar geworden. Obwohl seit Jahren offensichtlich war, dass die Stadtmauern abgerissen und die Stadt erweitert werden mussten, fehlte es zunächst an den notwendigen politischen Voraussetzungen. Diese waren 1854 gegeben, als Madrid schließlich die Genehmigung erteilte. Die Zustimmung der Zentralregierung zum Abriss der Ciutadella – eine technische Notwendigkeit, vor allem aber eine Forderung der Bevölkerung – erfolgte hingegen erst 1868. Die Meinungsverschiedenheiten über den weiteren Weg zur Modernisierung der Stadt blieben jedoch bestehen.

1859 schrieb die Stadtverwaltung einen Wettbewerb zur Stadterweiterung aus, aus dem der Entwurf des Architekten Antoni Rovira i Trias als Sieger hervorging. Roviras Vorschlag war bemerkenswert und entsprach den vorherrschenden Tendenzen des bürgerlichen Städtebaus in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wie sie etwa in den Reformen des Barons Haussmann in Paris oder in der Ringstraße von Ludwig Förster in Wien zum Ausdruck kamen. Der Entwurf sah eine hierarchisch gegliederte Stadtstruktur vor, deren Mittelpunkt ein zentraler Platz am Rand der historischen Stadt bildete. Von dort aus sollte ein System konzentrischer Boulevards die Stadt mit den benachbarten Gemeinden verbinden.

Parallel dazu hatte der Ingenieur Ildefons Cerdà, der 1855 im Auftrag Madrids eine topografische Vermessung der Ebene von Barcelona durchgeführt hatte, einen eigenen Entwurf für die Erweiterung der Stadt ausgearbeitet. Die Zentralregierung zeigte sich von Cerdàs Plan beeindruckt und ordnete dessen Umsetzung an. Dies löste eine heftige Kontroverse aus, die zwar technische, vor allem aber politische Dimensionen hatte, da sich die Zentralregierung damit unmittelbar gegen die Stadtverwaltung stellte.

Siegerentwurf des städtischen Wettbewerbs von 1859, Antoni Rovira i Trias – Museu d’Historia de la Ciutat

Die Umsetzung des Cerdà-Plans

Unabhängig von den Kontroversen und den Vorzügen des Plans von Rovira i Trias beruhte Cerdàs Projekt auf einem umfassenderen Verständnis der Stadt. Die Stadt wurde dabei nicht lediglich als Ansammlung von Gebäuden verstanden, sondern als funktional zusammenhängendes System aus Wohnraum, Dienstleistungen, Verkehrswegen und öffentlichen Räumen. Darüber hinaus verfolgte der Plan einen stärker egalitären Ansatz und räumte hygienischen Aspekten größere Bedeutung ein. Demgegenüber war Roviras Vorschlag konservativer und für die private Immobilienentwicklung potenziell rentabler.

Diese Grundsätze fanden ihren Ausdruck in einem orthogonalen Straßenraster, das sich am Grundriss des römischen Barcino orientierte. Ob es sich dabei um einen Zufall handelte, lässt sich nicht eindeutig sagen. Fest steht jedoch, dass sowohl Cerdà als auch die Römer ihre Stadtplanung an der lokalen Geografie, den vorherrschenden Winden und dem Sonnenverlauf ausrichteten.

Das vorgeschlagene Raster war für die damalige Zeit von außergewöhnlicher Größe: Es erstreckte sich vom Montjuïc bis zum Fluss Besòs und vom Mittelmeer bis zur Serra de Collserola. Die vorgesehenen Straßen waren 20 m breit. Ergänzt wurde das Raster durch breitere Boulevards von übergeordneter städtebaulicher Bedeutung wie die Diagonal, die Gran Via und die Meridiana.

Genau diese drei Achsen liefen an der Plaça de les Glòries Catalanes zusammen, die Cerdà als neues administratives und symbolisches Zentrum der Stadt vorgesehen hatte. Aufgrund ihrer Entfernung zur bestehenden Stadt und des Mangels an geeigneten Verkehrsanbindungen geriet die geplante Platzanlage jedoch ins Abseits. Stattdessen setzte sich die Stadtverwaltung beharrlich für die Entwicklung der Plaça Catalunya ein – eines Verbindungsraums zwischen der alten und der neuen Stadt, der zu diesem Zeitpunkt noch unbebaut war und von den Bürgern spontan als Treffpunkt genutzt wurde.

Die Plaça Catalunya entsprach zudem dem von Rovira i Trias vorgeschlagenen zentralen Platz, war in Cerdàs Projekt jedoch nicht vorgesehen. Obwohl die Stadtverwaltung bereits 1862 auf die Entwicklung des Platzes gedrängt hatte, genehmigte die Zentralregierung dessen offizielle städtebauliche Gestaltung erst 1889.

Bauliche Verdichtung und Neudefinition des Eixample

Die grundlegende Einheit des Eixample bildete ein quadratischer Baublock mit einer Seitenlänge von 113 m. Seine vier Ecken waren auf einer Länge von jeweils 14 m abgeschrägt. Diese sogenannten Chaflanes sollten das Abbiegen erleichtern und den Verkehrsfluss verbessern. In einer vorläufigen Fassung des Projekts von 1855 wurden lediglich zwei Seiten des Blocks mit Gebäuden bebaut, die aus einem Erdgeschoss und drei Obergeschossen bestanden und eine Bautiefe von 15 bis 20 m aufwiesen. Der übrige Teil des Blocks blieb als Grün- oder Freifläche erhalten. Mit diesem Verhältnis von bebauter und unbebauter Fläche orientierte sich Cerdà eindeutig an den hygienistischen Idealen: Es gewährleistete eine ausreichende Versorgung aller Gebäude mit natürlichem Licht, Sonneneinstrahlung und Belüftung und nahm zugleich das Konzept der Gartenstadt vorweg, das Ebenezer Howard 1898 formulierte.

Diese ursprüngliche Konfiguration wurde jedoch rasch verändert. Bei der Überführung des Plans in eine Bauordnung hatte Cerdà die zulässige Bautiefe bereits auf zunächst einheitlich 20 m festgelegt; später wurde sie auf 28 m erweitert. 1862 erlaubte die Stadtverwaltung, drei Seiten des Blocks mit Gebäuden aus einem Erdgeschoss und vier Obergeschossen zu bebauen. 1891 wurde schließlich die Bebauung aller vier Seiten offiziell festgeschrieben und um ein weiteres Geschoss sowie die Bebauung des Blockinneren im Erdgeschoss erweitert.

Vom ursprünglichen Prototyp der Gartenstadt blieb wenig übrig. Dennoch bewies der Cerdà-Plan eine bemerkenswerte Beständigkeit: Viele seiner wesentlichen Elemente blieben trotz der normativen Veränderungen erhalten, die schließlich die Dichte und den Charakter des Eixample prägten und damit ein identitätsstiftendes Merkmal Barcelonas schufen.

Luftaufnahme des Eixample, © Florian Schmidt – Unsplash

Das Eixample und die Entfaltung des katalanischen Jugendstils (Modernisme)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Eixample dank seiner breiten Straßen und der weitgehend fehlenden historischen Bausubstanz zu einem idealen Schauplatz für die Entfaltung des Modernisme. Der neue Stil entstand als architektonischer Ausdruck der Renaixença, die die katalanische Identität gegenüber Spanien betonte. Zugleich wurde er zum Ausdruck eines wirtschaftlich aufstrebenden Bürgertums, dessen gesellschaftlicher Aufstieg eng mit Industrie und Handel verbunden war und das sich zunehmend mit der neuen Stadt identifizierte.

Modernistische Fassaden prägten zunehmend das Erscheinungsbild des Eixample und trugen dazu bei, Barcelona als moderne und kosmopolitische Stadt zu etablieren, die Teil der internationalen Strömung des sogenannten Art Nouveau war. Cerdàs Bestrebungen nach größerer Gleichheit wurden dadurch jedoch zunehmend abgeschwächt, da immer mehr luxuriöse Gebäude entstanden, die scheinbar miteinander um die Aufmerksamkeit der Betrachter wetteiferten.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel findet sich in der Manzana de la Discordia (Block der Zwietracht), wo einige der bedeutendsten Architekten ihrer Zeit bestehende Gebäude neu gestalteten. Puig i Cadafalch, Domènech i Montaner und Antoni Gaudí schufen hier drei ihrer herausragenden Werke: die Casa Amatller (1900), die Casa Lleó Morera (1905) und die Casa Batlló (1906). In unmittelbarer Nachbarschaft wird so das gesamte kreative Potenzial des Modernisme sichtbar – seine unterschiedlichen Ausprägungen ebenso wie seine Wechselwirkung mit dem städtischen Raum. Mit der eleganten neoklassizistischen Umgestaltung der Casa Mulleras (1911) ergänzte schließlich auch Enric Sagnier das architektonische Ensemble der Manzana de la Discordia.

Manzana de la Discordia (Block der Zwietracht), © Vicente Zambrano González – Ajuntament de Barcelona, unter Lizenz CC BY-NC-ND 4.0

Das Eixample im 20. Jahrhundert: Ausdehnung, Konsolidierung und Wandel

Im Zuge der Stadterweiterung gliederte Barcelona die umliegenden Gemeinden ein, sodass sich das Eixample teilweise mit den bereits bestehenden Stadtstrukturen überlagerte. Dadurch verlor das ursprünglich klar definierte orthogonale Raster einen Teil seiner Strenge, bewies jedoch zugleich erneut seine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit. Sehr deutlich zeigt sich dies im Stadtteil Poblenou, wo sich neben den bereits bestehenden Wegen und Straßen Fabriken und Produktionsstätten ansiedelten, deren Lage sich nicht am orthogonalen Raster orientierte. Der Bereich entlang der Straße Pere IV bildet dabei eine klare Anomalie; hier wird die Überlagerung unterschiedlicher Stadtstrukturen besonders sichtbar.

Tatsächlich bestand eines der Ziele des Plans Jaussely von 1907 darin, das Eixample mit den umliegenden Gemeinden Barcelonas in Einklang zu bringen. Obwohl der Plan nicht umgesetzt wurde, bedeutete sein städtebauliches Konzept zugleich eine Rückkehr zum Ideal einer monumentalen und hierarchisch gegliederten Stadt.

Aus ganz anderen Gründen wurde auch der Plan Macià von 1934 nicht umgesetzt. Er entstand unter Federführung der rationalistischen Architekten der GATPAC (Grup d’Arquitectes i Tècnics Catalans per al Progrés de l’Arquitectura Contemporània) und übernahm einige Elemente des Cerdà-Plans, die in eine funktionalistische Neuordnung integriert wurden.

In den Jahren vor den Olympischen Spielen 1992 rückte das Eixample erneut in den Mittelpunkt der städtebaulichen Debatte, als das Architekturbüro MBM Arquitectes den Cerdà-Plan als Referenz für seinen Entwurf der Vila Olímpica heranzog. Damit zeigte sich erneut die bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit des Cerdà-Plans, der sich auf unterschiedliche städtebauliche Kontexte übertragen und neu interpretieren ließ. Bohigas und seine Kollegen wandelten die Struktur eines verfallenden Industriegebiets in ein Wohnviertel um, dessen Grundriss auf einem orthogonalen Raster beruhte und begrünte Innenbereiche der Baublöcke vorsah. Der Erfolg des Projekts war maßgeblich mit der erneuten Anbindung Barcelonas an das Mittelmeer durch den Port Olímpic verbunden. Zugleich knüpfte der Entwurf an zentrale Ideen Cerdàs an und machte deren anhaltenden Einfluss noch mehr als ein Jahrhundert nach ihrer ursprünglichen Konzeption sichtbar.

Neuinterpretation und Anpassung des Eixample-Rasters in der Vila Olímpica, © Google Earth

Cerdàs Erbe in der Gegenwart

Die Aktualität des Erbes Cerdàs liegt weniger in der umfassenden Umsetzung seiner Ideen oder seines Entwurfs als in der bemerkenswerten Anpassungsfähigkeit seines Plans, der eine Vielzahl von Veränderungen und Weiterentwicklungen überdauert hat – darunter auch die erhebliche Verdichtung des Eixample. Ebenso bedeutsam ist seine Fähigkeit, einen einzigartigen Stadtraum zu schaffen, der durch seine Dimensionen und seinen regelmäßigen Grundriss, vor allem aber durch die Chaflanes geprägt ist, die zu identitätsstiftenden Elementen Barcelonas geworden sind.

Unabhängig davon, ob sie den Cerdà-Plan ausdrücklich zu ihren Referenzen zählen, greifen zeitgenössische Stadtplaner und Architekten bei der Planung neuer Projekte in Barcelona nach wie vor auf seine Prinzipien zurück. Tatsächlich lassen sich einige der interessantesten städtebaulichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte gewissermaßen als Neuinterpretationen des Eixample verstehen, darunter die Superblocks und die Grünen Achsen. Beide eng miteinander verbundenen Ansätze besitzen das Potenzial, auf andere Städte übertragen zu werden. Ihre Konzeption und Umsetzung sind jedoch eng mit den spezifischen Bedingungen Barcelonas und dem Cerdà-Raster verbunden. Beide Ansätze zielen darauf ab, die Breite der Straßen bestmöglich zu nutzen, insbesondere aber das Potenzial der Kreuzungsbereiche auszuschöpfen, wie die in einem aktuellen Artikel von Guiding Architects vorgestellten Projekte zur Renaturierung des Stadtraums veranschaulichen.

Plaça-jardí Rocafort von 08014 arquitectura, © Pol Viladoms

Ein weiteres Projekt, das an die Ideen Cerdàs anknüpft, ist der Parc de les Glòries (2025). Zwar weicht seine Gestaltung von dem öffentlichen und repräsentativen Charakter ab, den Cerdà für diesen Kreuzungsbereich vorgesehen hatte, doch entspricht sie seiner Vision einer grüneren Stadt mit großzügigen innerstädtischen Parkanlagen.

Schließlich darf auch der Innovationsbezirk 22@ nicht unerwähnt bleiben. Mit dem Ziel, ein verfallendes Industrieviertel zu regenerieren, verwandelt er Barcelonas Poblenou in einen gemischt genutzten Stadtteil mit zahlreichen Bürostandorten von Technologieunternehmen. Wie bereits erwähnt, entstand der Stadtgrundriss dieses Viertels durch die Überlagerung des Cerdà-Rasters mit dem bereits bestehenden Straßennetz. Die neuen städtebaulichen Maßnahmen greifen diese besondere Ausgangslage auf, indem sie die Bebauungsparameter anpassen, die Innenbereiche der Baublöcke neu gestalten, den Fußgängerbereich erweitern und insgesamt die Qualität des öffentlichen Raums verbessern.

Neue Grünachse Almogàvers-Zamora im 22@, Laura Guerrero – Ajuntament de Barcelona, unter Lizenz CC BY-NC-ND 4.0

Die Genialität von Ildefons Cerdà und seinem Eixample zeigt sich in einem städtebaulichen Modell, das sich im Laufe der Zeit an unterschiedlichste Rahmenbedingungen anpassen konnte, ohne seine strukturelle Logik und seinen charakteristischen Ausdruck zu verlieren. Bis heute prägt es die Arbeit zeitgenössischer Stadtplaner und Architekten.

Text: Pedro Capriata

LITERATURVERZEICHNIS

Bonet Correa, A. (2009). Barcelona moderna: Realidad y utopía del Plan Cerdà. Sociedad Estatal de Conmemoraciones Culturales.

Busquets, J. (2004). Barcelona. La construcción urbanística de una ciudad compacta. Ediciones del Serbal.

Centre Obert d’Arquitectura (s.f.). ArquitecturaCatalana.Cat
https://www.arquitecturacatalana.cat/es

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Published On: September 16, 2026Categories: blog
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